Donnerstag, 29. März 2007

Immer schön "up to date" bleiben

  • Ich bin jetzt ganz offiziell vorbestraft. Wahnsinn. Heute saß ich in der Bahn und wurde zum ersten Mal kontrolliert, und: Ich hatte vergessen mein Ticket zu stempeln. An sich ist das nicht weiter schlimm, dass Problem in meinem Fall war, dass ich mir gestern ein neues Wochenticket gekauft habe und das von dem Tag an gültig ist, an dem man es das erste Mal stempelt. In meinem Fall also überhaupt nicht. Wäre ich heute Morgen, wie jeden Morgen, mit der U-Bahn gefahren, wäre dass auch alles nicht passiert, denn dann hätte ich stempeln müssen, um überhaupt auf die Plattform zu kommen, aber ausgerechnet heute hat Jan mich mit dem Auto mitgenommen, dass er heute Morgen wieder in der Stadt abgeben musste. Nun wir ein Report an das government geschickt und die entscheiden, ob ich zahlen muss oder nicht. Diesen Bescheid bekomme ich dann per Post nach Hause geschickt und hab dann 28 Tage Zeit um zu bezahlen. Blöde Kontrolleur-Kuh, dass ich Ausländerin bin, hat die doch gemerkt, da hätte man doch echt mal ein Auge zudrücken können oder? Ist ja nicht so, dass ich kein Ticket hatte.
  • Wir haben seit Samstag den 24.03. nur noch acht Stunden Zeitunterschied. In der Nacht von Samstag auf Sonntag haben wir in Australien nämlich die Uhr um eine Stunde zurück gestellt und ihr in Deutschland um eine Stunde vor.
  • Ich habe mich heute im Fitnessstudio angemeldet, hilft ja alles nix. Volleyball ist hier echt nicht wirklich vorhanden. An der Melbourne University war das "normale" Training nicht für mich, weil ich nur so kurz da bin und für ein so genanntes Social Training (Mixed und alle Kenntniss-Stufen zusammen) hätte ich zu viel bezahlen müssen, dafür, dass ich das zu Hause auch hab. Fechten ist auch nicht mehr, weil irgendwie war das... komisch und nicht schweißtreibend genug. Naja, und jetzt bin ich im Fitnessstudio und hab Dienstag mein erstes Date mit meinem Personal Trainer.
  • Gibts noch was? Ach ja, es gibt kariertes Papier. Nach langer Suche sind wir fündig geworden.
  • Heute war meine erste Presentation und ich war von mir selbst überrascht und - ich muss es jetzt einfach mal so sagen - ich war gut. Kaum nervös, nicht verhaspelt, viel vom Blatt aufgeguckt und flüssig gesprochen (die Aussprach ist da wohl ein anderes Thema).
  • Am Mittwoch gehts nach Tasmanien - für eine Woche. Bin gespannt.
  • Jetzt aber...

Dienstag, 27. März 2007

430 km Freiheit - Die Great Ocean Road

Am Samstag ging es mal wieder los - eine weitere Tagestour stand an. Die Great Ocean Road, eine zirka 430 Kilometer lange Straße, die sich von Torquay (in der Nähe von Melbourne) bis nach Warrnambool erstreckt. Und zum ersten Mal waren wir nicht mit der RMIT unterwegs sondern mit Autopia Tours - eine weise Entscheidung, wie ich fand. Um 11.00 Uhr am Treffpunkt angelangt kam auch glatt der Bus, ähhh Mini-Bus, der für zirka 20 Personen gemacht war. Rein in die gute Stube und Plätze eingenommen, doch nicht bevor wir von unserem Reiseführer Laurence begrüßt worden waren.


Was soll ich sagen? Es war unglaublich. Und das, bevor wir überhaupt aus Melbourne raus waren. Am zweiten Sammelpunkt stieg eine Horde Viatnamesen in einem Durchschnittsalter von zirka 60 Jahren ein, so ungefähr zehn an der Zahl. Und nach zwanzig Metern absolvierter Strecke wurden auch sogleich die Fresspakete ausgepackt. Ich kann nur wiederholen: U.N.G.L.A.U.B.L.I.C.H.! Es war eine einzige Orgie. Wie einer der älterern Herren bald erzählte war sein Bruder zu Besuch aus Vietnam da und dieser Trip wurde jetzt quasi ihm zu Ehren, also nur seinetwegen, organisiert. Und so hatten es sich wohl alle restlichen Familienmitglieder zum Ziel gemacht, diesen einen Herren rundum glücklich zu machen. Und wir mittendrin. Das das nicht spurlos an uns vorüber ging, dürfte ja wohl klar sein: Nach einer halben Stunden waren wir bestens versorgt mit Kürbiskernen, Sonnenblumenkernen und Eisbonbons.



Ja, man kann wirklich sagen, dass sich das erste Drittel der Tour in den acht Quadratmetern Bus abspielte. Da war der Mann, der ein schätzungsweise 10 cm langes "Glückshaar" am Hals trug (ganz ehrlich, dem wuchs da ein einzelnes langes Haar), was bei Juliane Brechreiz und bei dem Rest von uns die wildesten Spekulationen über dessen Pflege hervorrief. Dann war da der besagte Bruder, der von der ganzen Tour überhaupt rein gar nicht interessiert schien und entweder Zeitung las, schlief oder Musik hörte. Da wurden 200 $ über die Sitze getauscht, schließlich wollte das ganze Essen ja auch bezahlt werden und es wurden Millionenbeträge Viatnamesischer Währung lachend und wild gestikulierend durch den Bus gereicht. Und als ob das alles noch nicht genung wäre, hatten wir Laurence, eine Koriphähe unter den Reiseleitern. In regelmäßigen Abständen kam ein "wuuhuuu" aus dem Lautsprecher, was in den meisten Fällen Zeichen einer Sehenswürdigkeit, die Reaktion auf einen seiner Witze oder einfach nur pure Lebensfreude zum Ausdruck bringen sollte. Dieser Mensch war wie eigentlich alles an diesem Tag einfach unglaublich. Doch eigentlich ging es ja um die Great Ocean Road.

Ein Zwischenstopp und dessen Aussicht:




Ach ja, die Koalas. Eigentlich gibt es von denen ja schon genug Fotos, aber das ist so schön. Ein nasser Koala, es hatte nämlich arg geregnet die Nacht zuvor. Und da tritt auch Laurence wieder auf den Plan. Die Bäume mitsamt Koalas lagen nämlich direkt an der Straße und links und rechts ging es mehr oder weniger steil bergauf. Da Laurence es sich aber zum Ziel gemacht hatte uns vernünftige Ausblicke auf die kleinen Pelzknäule zu bieten, scheuchte er uns alle diese Abhänge hinauf (ich bemerke noch einmal: es hatte geregnet). Unter Todesgefahr oben angelangt waren die Koalas aber genauso wenig interessiert von uns wie zuvor. Doch wir hatten nicht mit Laurence gerechnet. Mit einem Stock bewaffnet und wild klatschend fing er an gegen den Baum zu hämmern. Ich denke das untere Bild dürfte klar machen, was der Koala davon hielt. Zaghafte Einsprüche unsererseits wurden mit einem "They sleep enough every day!" abgetan.



Dann ging es ab in einen Regenwald - und kaum drinnen, fiel die Temperatur auch gleich um einige Grad. Schön wars.


Dann das eigentliche Highlight des Tages: einen Hubschrauberflug. Ich beschreib es zur Abwechslung mal mit dem Wort.... unglaublich. Ilka, Mareike und Juliane im weinroten Exemplar, Jan und ich im gelben (Laurence stellte vor dem Flug fest, dass ein gelber Helikopter im Falle eines Absturzes viel besser im Meer zu erkennen sei - "wuuhuuu"). Aber wir haben alle überlebt und diese fantastischen Bilder mitgebracht (die natürlich nicht einmal ansatzweise das tatsächliche Erlebnis wiedergeben).

Die Great Ocean Road von oben.

Und hier erkennt man sie schon: die Twelve Apostels - eine Steinformation die vor langer Zeit mal mit dem Festland verbunden war, sich aber durch die Gezeiten gelöst hat und nun in zwölfacher Ausführung direkt vor der Küste liegt.


Vor dem Sonnenuntergang bei den Twelve Apostels war dann noch eine Stärkung mit Fish & Chips fällig.


Die letzten Bilder lass ich ausnahmsweise mal für sich sprechen...






Herrenbesuch

Was soll ich sagen, ich habe Besuch aus Deutschland: der liebe Jan hat keine Kosten und Mühen gescheut und hat die lange Reise angetreten. Nun ist er da und das bedeutet für mich: Ich muss/will ihm hier jetzt natürlich einiges bieten. Donnerstag in aller Frühe gelandet, wurde schnell beschlossen, den Jetlag zu ignorieren und am Freitag um 8.00 Uhr aufzustehen, um in den Weribee Open Range Zoo zu fahren.




Dort angekommen legte jeder von uns seine Taler auf den Tresen und es konnte losgehen. Zunächst einmal mit einem schicken und luftigen Bus mit lauter kleinen, entweder schreienden oder vor Freude kreischenden Kindern durch die Savanne. Während unserer staubigen Fahrt machten wir dann mit den unterschiedlichsten Tieren Bekanntschaft:










Diese Giraffe war so frei, sich uns aus nächster Nähe zu präsentieren, da sie aus gefühlten zwei Kilometern Entfernung beständig auf uns zu trottete, bis sie schließlich direkt vor Jan und mir zum Stehen kam (sehr aufregend, kann ich euch sagen).










Danach ging es zu Fuss weiter. Im Känguru und Emu Gehege waren wir quasi Auge in Auge mit dem Tier, will sagen, kein Zaun trennte uns. Dies führte auch glatt dazu, dass sich, gerade als Jan mal ein bisschen weiter weg war, ein Emu mit großen Schritten auf die zunehmend panisch werdende Eva zu bewegte. Diese Vögel können einem ganz schön Furcht einflößen, aber das gute Tier stolzierte mit einem Scannerblick an mir vorbei.




Nach dieser Schreckenssekunde bewegten wir uns schleunigst Richtung Rundlauf 2, einer mit einem Zaun oder Ähnlichem zwischen Besucher und Bewohner. Besonders angetan hatte es uns die wohl entspannteste Löwendame, die je in einem Zoo gelebt hat.












Ja, ich muss wirklich sagen, Ranger Jan machte seine Sache wirklich gut und brachte uns sicher durch alle gefahren, die die Natur so zu bieten hatte ;-)



Aber auch die anderen Tiere waren natürlich sehr nett zu beobachten...











Einzig und allein die Hippos, wie die Nilpferde hier heißen, hatten an diesem Tag nicht so richtig Lust aus dem Wasser zu kommen. So standen wir ungefähr eine viertel Stunde mit gebanntem Blick aufs Wasser gerichtet da und warteten. Und siehe da: Irgendwann tauchten tatsächlich je zwei Ohren, Augen und Nasenlöcher aus dem Wasser auf.