Dienstag, 26. Juni 2007

Ich bin im Urlaub...

... und das für die nächsten dreieinhalb Wochen. Das bedeutet nicht nur Spaß, Erholung, Sonne und absolute Entspannung, sondern auch, dass ich in dieser Zeit leider nicht regelmäßig meine Mails abrufen kann. Wenn also der eine oder andere einmal länger auf eine Antwort warten muss, bitte ich schon jetzt um Entschuldigung. Auch der Blog wird wohl darunter leiden, da ich aber Kabel für die Vernetzung von Fotoapparat und PC dabei habe und bestimmt eine Menge Internet-Cafés auf unserem Weg liegen, bin ich ganz guter Dinge, dass das trotzdem mit dem ein oder anderen Eintrag klappt.

Morgen früh um 8:00 Uhr geht der Flieger nach Brisbane. Zusammen mit Juliane, ihrem Freund Enrico und Veit, einem Freund der beiden, heißt es dann ab in die zwei gemieteten Caravans und los die Ostküste hoch. Unser langfristiges Ziel ist Darwin und das heisst 3774 km Strecke in 22 Tagen.



Zunächst allerdings peilen wir Cairns an, von dort schlagen wir uns dann durchs Outback, die Wüste, das Nichts, bis wir kurz vor Darwin am Kakadu National Park ankommen, wo wir uns ein zwei Tage aufhalten wollen.

Am 19.07. fliegt dann Veit ab Darwin zurück nach Melbourne und von dort nach Deutschland. Am 21.07. um 1:40 Uhr morgens (!) folge ich ihm auf einem 9 Stunden Flug über Brisbane nach Melbourne, Juliane und Enrico machen dann noch eine Woche alleine ihren wohlverdienten Pärchen-Urlaub. In Melbourne habe ich für eine Nacht dann auch gleich noch eine Gefährtin, um die Aufregung nicht alleine durchleben zu müssen - Ilka wird mir eine letzte Nacht bei Nancy schlafen. Am 22.07. wird dann am Flughafen in Melbourne großes Wiedersehen mit (fast) allen Mädels gefeiert, um dann in den Flieger nach Deutschland zu steigen. Am 23.07. um 10:30 Uhr hat Deutschland mich dann endlich wieder (oder andersrum?).


Bis bald.

Samstag, 23. Juni 2007

Uluru - ein Kältedrama in 3 Akten - Akt 3

Nun gut, die vier Grad, die es wärmer war, hatten ihren Preis: Regen (übrigens einer von ungefähr drei Regentagen in den Wintermonaten). Aber wir waren dankbar, dass der Regen nicht schon nachts eingesetzt hatte, zudem war es wirklich kein starker Regen und er sollte nach einer Stunde Wanderung auch schon wieder vorbei sein. Auf zum sieben Kilometer Marsch rund um den Kings Canyon, einer riesigen Felsschlucht und auch sonst allerhand interessanter Steinformationen. Zunächst galt es aber einen steilen Aufstieg zu bewältigen - an Kälte war nun nicht mehr zu denken.





Dieser Baum heißt sowas wie "Ghost Tree", weil er im Sonnenlicht silberfarben schimmert. Er sah aber auch bei bewölktem Himmel einfach witzig aus, weil er mit dieser hellen Rinde quasi überzogen war, außerdem hat er Falten.


Ja, dass bin dann ich mit all meinen Kleidungsschichten vor einer Felsformation, die als Schildkröte bekannt ist. Ihr könnt links im Bild den Kopf und einen Teil des Körpers sehen.





Hier blickt ihr auf den Garten Eden - den "Garden of Eden" - eine Schlucht, die einen See beherbergt und ein Paradies für Vögel, Insekten und Kleinvieh ist. Einer von diesen Vögeln ist - erstaunlich zutraulich - während unserer Kekspause um uns herumgewackelt und hat fleißig Kekskrümel gefressen.




Gegen 18:30 Uhr kamen wir in Alice Springs und beim Ende unseres Trips an. Wir checkten in unser Zimmer ein, hatten eine halbe Stunde, um zu duschen (jaaaaaa!) und trafen uns dann noch einmal alle, um gemeinsam Essen zu gehen. Auf dem Weg durch die Fußgängerzone sah ich ein Hinweisschild mit der Entfernung nach Berlin - ein Katzensprung.


Am Donnerstag hieß es abermals früh aufstehen. Der "Emu Run" sollte uns zurück zum Ayers Rock bringen, da unser Flug am Freitag Mittag von dort aus startete. Im Bus bekamen wir auch glatt ein Frühstückspaket in einer Silvesterknaller-Verpackung bereitgestellt.


Im Halbschlaf fuhren wir die knapp 400 Kilometer zurück Richtung Uluru. Die Staßen waren endlos lang. Da fällt mir doch noch was ein. Autoreifen gehören hier echt zum Landschaftsbild. Neben allerhand Gestrüpp und Bäumen und auch einer beträchtlichen Anzahl an Bierdosen und Flaschen, stösst man andauernd auf alte Autoreifen. Ich habe zehn Stück in vier Minuten gezählt.



Neben den üblichen Tieren wie Vögeln, Rindern und Kängurus haben wir auf unserer Reise auch Wildpferde und wilde Kamele gesehen - sehr aufregend. Gegen Ende unserer Fahrt hat dann Mark unser Fahrer auch glatt einen Vogel mitgenommen. Mit einem dumpfen Schlag ist er auf die Kühlerhaube aufgeschlagen und dann zur Seite weggetrudelt. Mark kommentierte das mit einem ernsthaft bedauerlichen, aber gleichzeitig komisch trockenem Unterton "Ah, and there goes another bird out of the world."

Zurück im Resort spazierten wir ins "Zentrum" und aßen eine Kleinigkeit. Vorbei gingen wir auch an der Royal Flying Doctor Station. Hier ist eben alles in anderen Dimensionen vorhanden. Als wir am Donnerstag unser zweites Camp verlassen haben, hatte einer der Angestellten Vicky drei Briefe mitgegeben, die sie mit nach Alice Springs nahm. Unglaublich.


Und zu (fast) guter Letzt das Nummernschild des Bundesstaates "Northern Territory".


Am Freitag haben wir herrlich gegammelt, wir haben gelesen, Postkarten geschrieben und Fernsehen geguckt. Abends haben wir an der Barbeque-Station mit den anderen Hotelgästen an großen Holztischen gesessen und Live-Musik gelauscht. Bis halb zehn haben wir noch "Wer bin ich?" gespielt - dieses Spiel, wo man einen Zettel mit einer berühmten Persönlichkeit auf die Stirn geklebt bekommt und dann raten muss, wer man ist. Ich war unter anderem Pumuckl, Barbie und Scarlett Johannson. Wir haben uns herrlich amüsiert und totgelacht - warum weiß ich eigentlich gar nicht mehr. Nach einem Tee-Frühstück ging es dann mit dem Flieger ab nach Melbourne. Und was sehe ich am Melbourner Flughafen? Jaja, die deutsche Qualität - da geht doch nichts drüber.




Uluru - ein Kältedrama in 3 Akten - Akt 2

Pünktlich um 6:45 Uhr standen wir zum Sonnenaufgang auf der Aussichtsplattform. Da wir vom Uluru schon ziemlich weit entfernt waren (heute sollte es zu Kata Tjuta gehen) und die Sonne um diese Jahreszeit auch nicht direkt hinter dem Uluru aufgeht, sondern daneben, war der Anblick auf die Kata Tjuta um einiges reizvoller.





An dieser Stelle möchte ich mal eben meinen Kleidungszustand näher beleuchten. Ich hatte ein Unterhemd an, dann kam so ein langärmliges Leinenoberteil, das ich nachts anhatte und mir morgens aus Kältegründen auch nicht ausziehen konnte (wenn ihr es genau nehmen wollt, bin ich zwei Tage im Schlafanzug rumgelaufen, obenrum zumindest, ohne BH (ja solch intime Details teile ich mit euch), an Duschen war nicht zu denken (Begründung folgt mit bildlicher Untermalung), dementsprechend sahen meine Haare aus (Tabea, es wäre ein Freude für dich gewesen). Über dem Leinenoberteil folgten ein Pullover, meine Fleece-Jacke, mein Kordblazer und dann - aus Windschutzgründen - die kreischrote Regenjacke. Und wisst ihr was: ich habe gefroren. In den Kata Tjuta wehte ein eisiger Wind, mein Körper bestand aus einem einzigen verkrampften Muskel. Ich habe geflucht, ich habe geschrien (einsam, auf dem Parkplatz, beim Schichten-Anziehen... ehrlich, fragt Mareike, die war mein einziger Zuhörer und gleichzeitig mein größter Fan).

Na gut, half ja alles nix. Auf zum großen Marsch durch die felsige Landschaft der Kata Tjuta. Es wurde wärmer, mit jeder Stufe, die wir bergauf hechteten. Und wieder wurden wir mit atemberaubenden Blicken belohnt.






An dieser Stelle haben Mareike, Ilka und ich uns darauf geeinigt, dass hier die Inspiration für die Macher von dem Trickfilm "In einem Land vor unserer Zeit" herkam.











So, zurück zum Duschfaktor. Muss ich da noch was zu sagen? Immerhin, warmes Wasser wäre möglich gewesen, der Ofen war dahinter, musste aber natürlich mit Feuer erstmal auf eine angenehme Temperatur gebracht werden. Es hat hier keiner geduscht. Die Toilette sah übrigens genauso aus - Türen werden auch einfach überschätzt.








Ich muss der Fairness halber aber sagen, dass trotz allem Fluchen im Vorfeld bis hin zu "Ich steig nie wieder aus diesem Auto aus" die Nacht um einiges wärmer war, als die vorige. Ich bin nicht bei jedem Umdrehen aufgewacht, mein Gesicht war immer noch eine fühlbare Masse und ich hatte mich anscheinend ziemlich schnell auf die eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten eingestellt. So konnte es also einigermaßen entspannt, jedoch mit einem neuen Stadium an fettigen Haaren auf zu den Kings Canyon gehen.


Uluru - ein Kältedrama in 3 Akten - Akt 1

Bevor es mit meinem Ausflug ins rote Zentrum losgeht, will ich hier feierlich schnell mal mein Ergebnis vom Marathon bekanntgeben. Meine Zeit beträgt: 31:06 Minuten, wenn das nichts ist. Insgesamt (also mit 5km Lauf, 10km Lauf und Halbmarathon) haben rund 13.900 Menschen mitgemacht. Beim 5km Lauf bin ich als 1300ste Person durch die Ziellinie geschossen.


So, genug der Fakten, zurück zum Urlaub. Am Montag ging es um 8.55 Uhr mit dem Flieger Richtung Ayers Rock oder besser Uluru, wie er von den "traditional landowners" genannt wird. Über Melbourne und Victoria (Bundestaat) blickten wir noch auf grüne Felder und Wiesen - ganz so wie bei uns daheim nur wesentlich platter. Drei Stunden und rund 2500 km später sah der Anblick jedoch vollkommen anders aus. Der helle Streifen, der quer durch das zweite Bild verläuft, ist eine Straße.



Dann, kurz vor der Landung war es endlich soweit: der Uluru in seiner ganzen Pracht. Ihr könnt sagen was ihr wollt, aber dieser Anblick ist doch wohl einfach der Wahnsinn. Absolut kein Hügelchen auf einem hunderte von Kilometern weitem Umkreis und dann dieser riesige Monolith. Weiter hinten im Bild seht ihr Kata Tjuta, eine ebenso erstaunliche Ansammlung von Felsen, aber eben nicht nur einer sondern mehrere.



So sieht die rote Erde dann aus nächster Nähe aus. Die Erklärung für die Farbe ist übrigens ziemlich schlicht: es ist Rost. Der Boden ist stark eisenhaltig und alles, was mit Sauerstoff in Vebindung kommt oxidiert und rostet. Als wir den Kings Canyon besucht haben, hat uns unsere Reiseleiterin eine Stück Felsbrocken gezeigt. Die Oberflächse war rostrot, darunter war der Stein normal "felsenfarben".


Zurück zum zeitlich korrekten Ablauf. Im Ayers Rock Resort angekommen (die Temperatur betrug gefühtle 17 Grad), haben wir (das sind dieses Mal übrigens Mareike, Ilka und ich) uns für Donnerstag in ein 20-Betten-Mädchen-Zimmer eingebucht und dann auf das Wayoutback Safari Auto gewartet, mit dem wir für die nächsten drei Tage unterwegs sein sollten. Das Resort war wirklich seltsam. Es bestand aus sieben Hotels für jeden Geldbeutel, aber dennoch konnte man in jedem Fall nochmal rund ein Drittel des Normalpreises für Touristenabzocke draufschlagen. So haben wir für unsere Nacht im besagten Zimmer anstatt von üblichen rund 20 Dollar 33 Dollar bezahlt. Man muss aber sagen, dass es doch auch ein bisschen schicker war, als das, was wir sonst gewöhnt waren. Neben den sieben Hotels gibt es noch eine Art Plaza mit mehreren Restaurants, Cafés, Souvenirläden, einem Supermarkt und der einzigen Post in Australian, die sieben Tage die Woche aufhat.
Gegen 13.30 Uhr (wir mussten unseren Uhren doch tatsächlich um eine halbe Stunde zurückstellen) wurden wir dann von unserem Auto abgeholt. Na gut, los gehts. Mit rund 15 Reiselustigen (darunter ein Mann) und Vicky, unserer Resieleiterin, ging es los zum ersten Nachtlager. Dort angekommen wurde erstmal das Feuerholz vom Wagendach abgeladen.

Rund um diese Feuerstellen sollten wir uns später schlafenlegen.


Nach einem Lunch mit Sandwiches ging es auf zum Uluru. Wir machten einen kurzen Abstecher ins Cultural Center, um dann einen Rundgang um den Fels zu machen. Zunächst ein bisschen Aboriginal oder besser Anangu-Geschichte, so heißen nämlich die ursprünglichen Menschen, die hier leben. Dies bedeutet, dass alles, was ich hier über die Aboriginal people erzähle nur für die Anangu, die in dieser Region leben, gilt. Andere "Stämme" haben andere Geschichten und Traditionen. Der Grundstein und die Gesetze allen Seins basiert auf Tjukurpa, den - die Welt kreierenden - Vorfahren. Die Anangu glauben, dass am Anfang allen Seins die Welt flach und leblos war. Der Begriff kann zur Vereinfachung aber auch einfach als Religion angesehen werden auf der eben einfach alles Bedeutende, wie Gesetze, Moral und Beziehungen basieren. Die Tjukurpa pilgerten und reisten in Form von Menschen, Pflanzen und Tieren durch das Land und hinterließen dabei ihre Spuren. So sind beispielsweise einige der Seen in der Gegend Schweißtropfen eines Reisenden, dessen Namen ich vergessen habe. Der Uluru wurde unter anderem von einer Schlange namens Kuniya geprägt. Es ist schwer, sich an die Geschichte zu erinnern, außerdem erfährt man immer nur Bruchstücke, da die Geschichten nirgendwo aufgeschrieben sind, sondern nur durch Lieder und Erzählungen weitergetragen werden. Auf jeden Fall ist es wirklich beeindruckend, wie die Anangu für jeden Riss und jedes Loch im Fels eine Begründung haben. So markieren zwei große und ein etwas kleineres Loch zum Beispiel die Stelle, an der ein Vorfahr einst Rast machte und seinen Wanderstab (kleines Loch) in die Erde rammte. Verfärbungen im Stein sind oft Zeichen dafür, dass eine Schlange dort entlang glitt und so weiter. Das Besteigen des Uluru ist zwar nicht verboten, es wird jedoch inständig darum gebeten es sein zu lassen, da er eine heilige Stätte ist.


Hier also nun einige Eindrücke dieses impostanten Monolithen.











So, und hier nun das Klischee-Postkarten-Motiv bei Sonnenuntergang. Es war wirklich unglaublich schön mit anzusehen und da wir außerhalb der saison da waren, war es sogar einigermaßen ruhig - so schätzungsweise 150 andere Touristen teilten dieses einmalige Erlebnis mit mir.

Dazu wurde uns von Vicky übrigens Sekt und Kräcker serviert. Auch wenn das total neckisch und reizvoll war, hatte es auch wirklich was perverses, aber nun gut, Sekt war lecker.

Dann ging es zurück zum Camp zum Dinner kochen und für Übernachtung Nummer 1. Sobald das Feuer brannte, fiel es uns verdammt schwer, uns davon nochmal weg zubewegen. Es wurde schweinekalt. Wie es sich gehört wurde das Essen in uralten Töpfen im Feuer zubereitet - das war schon echt cool und abendteuerlich und soooo lecker.



Nach einer heißen Schokolade am Lagerfeuer und dem Versuch, der begeisterten Vicky "Mein Hut, der hat drei Ecken" beizubringen, hieß es Swags ausrollen und der Kälte ins Gesicht blicken. Ein Swag ist quasi Zelt und Schlafsack in einem. Ausgerollt und aus zeltartigem Material enthält es eine Pseudomatratze und ein selbiges Kopfkissen. Schlafsack und Decke untergebracht liegt man darin, wie in einem Kokon, also genau das richtige für die im Schlaf bewegungsfreudige Eva (Bernd müsste wissen, wovon ich rede). Neben der Zwangsjackenähnlichen Lage war ein zweiter entscheidender Nachteil der, dass das Gesicht aus durchaus einleuchtenden Gründen im Freien lag. Nach einer 2 Grad kalten Nacht und einer steifen Briese war mein Gesicht - als um 5:30 Uhr der Wecker klingelte - taub. Bei einer Körpertemperatur von unerträglicher Tiefe stolperten wir in der Dunkelheit Richtung Waschraum, um dann pünktlich zum Sonnenaufgang am Aussichtspunkt zu stehen.