Samstag, 23. Juni 2007

Uluru - ein Kältedrama in 3 Akten - Akt 1

Bevor es mit meinem Ausflug ins rote Zentrum losgeht, will ich hier feierlich schnell mal mein Ergebnis vom Marathon bekanntgeben. Meine Zeit beträgt: 31:06 Minuten, wenn das nichts ist. Insgesamt (also mit 5km Lauf, 10km Lauf und Halbmarathon) haben rund 13.900 Menschen mitgemacht. Beim 5km Lauf bin ich als 1300ste Person durch die Ziellinie geschossen.


So, genug der Fakten, zurück zum Urlaub. Am Montag ging es um 8.55 Uhr mit dem Flieger Richtung Ayers Rock oder besser Uluru, wie er von den "traditional landowners" genannt wird. Über Melbourne und Victoria (Bundestaat) blickten wir noch auf grüne Felder und Wiesen - ganz so wie bei uns daheim nur wesentlich platter. Drei Stunden und rund 2500 km später sah der Anblick jedoch vollkommen anders aus. Der helle Streifen, der quer durch das zweite Bild verläuft, ist eine Straße.



Dann, kurz vor der Landung war es endlich soweit: der Uluru in seiner ganzen Pracht. Ihr könnt sagen was ihr wollt, aber dieser Anblick ist doch wohl einfach der Wahnsinn. Absolut kein Hügelchen auf einem hunderte von Kilometern weitem Umkreis und dann dieser riesige Monolith. Weiter hinten im Bild seht ihr Kata Tjuta, eine ebenso erstaunliche Ansammlung von Felsen, aber eben nicht nur einer sondern mehrere.



So sieht die rote Erde dann aus nächster Nähe aus. Die Erklärung für die Farbe ist übrigens ziemlich schlicht: es ist Rost. Der Boden ist stark eisenhaltig und alles, was mit Sauerstoff in Vebindung kommt oxidiert und rostet. Als wir den Kings Canyon besucht haben, hat uns unsere Reiseleiterin eine Stück Felsbrocken gezeigt. Die Oberflächse war rostrot, darunter war der Stein normal "felsenfarben".


Zurück zum zeitlich korrekten Ablauf. Im Ayers Rock Resort angekommen (die Temperatur betrug gefühtle 17 Grad), haben wir (das sind dieses Mal übrigens Mareike, Ilka und ich) uns für Donnerstag in ein 20-Betten-Mädchen-Zimmer eingebucht und dann auf das Wayoutback Safari Auto gewartet, mit dem wir für die nächsten drei Tage unterwegs sein sollten. Das Resort war wirklich seltsam. Es bestand aus sieben Hotels für jeden Geldbeutel, aber dennoch konnte man in jedem Fall nochmal rund ein Drittel des Normalpreises für Touristenabzocke draufschlagen. So haben wir für unsere Nacht im besagten Zimmer anstatt von üblichen rund 20 Dollar 33 Dollar bezahlt. Man muss aber sagen, dass es doch auch ein bisschen schicker war, als das, was wir sonst gewöhnt waren. Neben den sieben Hotels gibt es noch eine Art Plaza mit mehreren Restaurants, Cafés, Souvenirläden, einem Supermarkt und der einzigen Post in Australian, die sieben Tage die Woche aufhat.
Gegen 13.30 Uhr (wir mussten unseren Uhren doch tatsächlich um eine halbe Stunde zurückstellen) wurden wir dann von unserem Auto abgeholt. Na gut, los gehts. Mit rund 15 Reiselustigen (darunter ein Mann) und Vicky, unserer Resieleiterin, ging es los zum ersten Nachtlager. Dort angekommen wurde erstmal das Feuerholz vom Wagendach abgeladen.

Rund um diese Feuerstellen sollten wir uns später schlafenlegen.


Nach einem Lunch mit Sandwiches ging es auf zum Uluru. Wir machten einen kurzen Abstecher ins Cultural Center, um dann einen Rundgang um den Fels zu machen. Zunächst ein bisschen Aboriginal oder besser Anangu-Geschichte, so heißen nämlich die ursprünglichen Menschen, die hier leben. Dies bedeutet, dass alles, was ich hier über die Aboriginal people erzähle nur für die Anangu, die in dieser Region leben, gilt. Andere "Stämme" haben andere Geschichten und Traditionen. Der Grundstein und die Gesetze allen Seins basiert auf Tjukurpa, den - die Welt kreierenden - Vorfahren. Die Anangu glauben, dass am Anfang allen Seins die Welt flach und leblos war. Der Begriff kann zur Vereinfachung aber auch einfach als Religion angesehen werden auf der eben einfach alles Bedeutende, wie Gesetze, Moral und Beziehungen basieren. Die Tjukurpa pilgerten und reisten in Form von Menschen, Pflanzen und Tieren durch das Land und hinterließen dabei ihre Spuren. So sind beispielsweise einige der Seen in der Gegend Schweißtropfen eines Reisenden, dessen Namen ich vergessen habe. Der Uluru wurde unter anderem von einer Schlange namens Kuniya geprägt. Es ist schwer, sich an die Geschichte zu erinnern, außerdem erfährt man immer nur Bruchstücke, da die Geschichten nirgendwo aufgeschrieben sind, sondern nur durch Lieder und Erzählungen weitergetragen werden. Auf jeden Fall ist es wirklich beeindruckend, wie die Anangu für jeden Riss und jedes Loch im Fels eine Begründung haben. So markieren zwei große und ein etwas kleineres Loch zum Beispiel die Stelle, an der ein Vorfahr einst Rast machte und seinen Wanderstab (kleines Loch) in die Erde rammte. Verfärbungen im Stein sind oft Zeichen dafür, dass eine Schlange dort entlang glitt und so weiter. Das Besteigen des Uluru ist zwar nicht verboten, es wird jedoch inständig darum gebeten es sein zu lassen, da er eine heilige Stätte ist.


Hier also nun einige Eindrücke dieses impostanten Monolithen.











So, und hier nun das Klischee-Postkarten-Motiv bei Sonnenuntergang. Es war wirklich unglaublich schön mit anzusehen und da wir außerhalb der saison da waren, war es sogar einigermaßen ruhig - so schätzungsweise 150 andere Touristen teilten dieses einmalige Erlebnis mit mir.

Dazu wurde uns von Vicky übrigens Sekt und Kräcker serviert. Auch wenn das total neckisch und reizvoll war, hatte es auch wirklich was perverses, aber nun gut, Sekt war lecker.

Dann ging es zurück zum Camp zum Dinner kochen und für Übernachtung Nummer 1. Sobald das Feuer brannte, fiel es uns verdammt schwer, uns davon nochmal weg zubewegen. Es wurde schweinekalt. Wie es sich gehört wurde das Essen in uralten Töpfen im Feuer zubereitet - das war schon echt cool und abendteuerlich und soooo lecker.



Nach einer heißen Schokolade am Lagerfeuer und dem Versuch, der begeisterten Vicky "Mein Hut, der hat drei Ecken" beizubringen, hieß es Swags ausrollen und der Kälte ins Gesicht blicken. Ein Swag ist quasi Zelt und Schlafsack in einem. Ausgerollt und aus zeltartigem Material enthält es eine Pseudomatratze und ein selbiges Kopfkissen. Schlafsack und Decke untergebracht liegt man darin, wie in einem Kokon, also genau das richtige für die im Schlaf bewegungsfreudige Eva (Bernd müsste wissen, wovon ich rede). Neben der Zwangsjackenähnlichen Lage war ein zweiter entscheidender Nachteil der, dass das Gesicht aus durchaus einleuchtenden Gründen im Freien lag. Nach einer 2 Grad kalten Nacht und einer steifen Briese war mein Gesicht - als um 5:30 Uhr der Wecker klingelte - taub. Bei einer Körpertemperatur von unerträglicher Tiefe stolperten wir in der Dunkelheit Richtung Waschraum, um dann pünktlich zum Sonnenaufgang am Aussichtspunkt zu stehen.


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