Samstag, 16. Juni 2007

Sydney - die Stadt, die Alles hat

Heute Morgen gegen halb acht bin ich aus Sydney wieder gekommen. Nach einer elf stündigen Zugfahrt hat Melbourne mich wieder. Doch von Anfang an. Am Sonntag (10.06.) Morgen ging es früh um 8.15 Uhr mit dem Zug los. Geschlagene 11 Stunden sind wir gefahren - sogar 12, um genau zu sein - denn der Zug hatte Verspätung. Bei einer Höchstsgeschwindigkeit von 120km/h ist das ja auch kein Wunder. Abends um 21 Uhr also endlich angekommen wurde noch schnell ein Wochenticket gekauft und los gings zum Backpacker direkt im Rotlichtviertel (wenn schon denn schon). Nach einer kalten Nacht unter einer hauchdünnen Decke und einer ganzen Erbsentüte in Form von Matratzenfedern (für alle, die die Anspielung nicht verstehen, es geht um die Prinzessin auf der Erbse) sind wir am nächsten Morgen gegen 7.30 Uhr alle Viere Claudia, Juliane, Ilka und ich) zum "free breakfast" gestolpert.
Der erste Tag wurde mit einem klassischen Stadtrundgang eröffnet. Ich habe das Haus von "Gladiator" Russel Crowe gesehen, der wohnt vielleicht merkwürdig... Es ist das Haus im Vordergrund (es wird aber spekuliert, das er nur das oberste Stockwerk sein Eigen nennt, wir wurden leider nicht eingeladen, um der Sache auf den Grund zu gehen).


Nach Russel Crowe's Haus sind wir durch den Botanischen Garten geschlendert. Vorbei an Monsterspinnen (die waren soooo ekelig) und Flughunden (die widerrum waren richtig herrlich und niedlich und hingen zu hunderten in den Bäumen) und Kakadoo's. Die Spinne unten im Bild war mit Beinen und allem so groß, wie meine Handfläche! Mindestens. Vom Botanischen Garten konnten wir dann auch schon die Sydney Opera und die berühmte Harbour Bridge bewundern. Wirklich sehr beeindruckend.






Der Blick vom Botanischen Garten. Hinter der Ecke auf der linken Seite verbirgt sich die Sydney Opera.


Und hier ist das gute Stück. Ich war verwundert, dass sie so "unordentlich" aussieht, das war mal ein ganz anderer Blickwinkel, überall ragten diese Spitzen raus.


Dann sind wir noch mit der Fähre zum Manly Beach gefahren (es gibt bestimmt ein Dutzend verschiedener Fähren und die sind alle beim Wochenticket im Preis inklusive, da die hier auch als Transportmittel genutzt werden, sehr praktisch). Dort haben wir hunderte von Surfern beobachtet und Fish & Chip's gegessen. Die Sonne schien, es war toll. Hier also noch mal die Oper vom Wasser aus.



Die Habour Bridge - sie steht der Oper im Faktor Berühmtheit in Nichts nach und ist von Nahem wirklich sehr groß und gewaltig.





Am Dienstag früh dann das Highlight: Whale Watching. Wie das mit Tieren in freier Wildbahn nun mal so ist, machen die nicht immer das, was sie sollen. Zwei waren unterwegs, sind aber immer ziemlich schnell wieder abgetaucht. Alle paar Minuten kündigten sie sich mit einem Blow (also Wasser auspusten) wieder an der Oberfläche an, sind dann ein zwei mal mit gezückter Rückenflosse zu sehen, um dann wieder abzutauchen. Das war wirklich verdammt aufregend. Das ganze Erlebnis haben wir bei gefühlter Windstärke 12 erlebt. Der Kapitän sagte die Wellen seien 2-3 Meter hoch gewesen, aber der hatte ja keine Ahnung. Ich war so aufgeregt, ich hatte gar keine Zeit über Übelkeit nachzudenken.


Nach einer guten Stunde Fahrt machte unser Kapitän den Motor aus und wir trieben in Beobachter-Wartestellung auf hoher See. Das war vom Schaukelfaktor her tödlich. Ilka hat es schon ziemlich zu Beginn ausgenockt und sie hat sich übergeben. Claudia und Juliane haben zwar nicht gespuckt, aber mit großartig Bewegen war auch nicht mehr. Claudia saß regungslos in Gottesanbeter-Haltung auf einem Stuhl und Juliane versuchte sich vorsichtig an einem Apfel. Und ich, ja ich bin wie der letzte Antarktisforscher (so habe ich auch ausgesehen, wir hatten nämlich alle Jacken von der Whale Watching Besatzung an) auf dem Boot herumgeturnt, bin auch prompt hingefallen und habe mich - den Blick starr auf die See gerichtet - sofort wieder hochgerappelt.




Anschließend - wieder festen Boden unter den Füßen - ist Claudia für eine heiße Dusche ins Hostel zurück, Ilka, Jule und ich habe uns vom Chinesischen Garten inspirieren lassen... Ach, und wir waren noch am angesagten Bondi Beach, ist um diese Jahreszeit aber nicht mehr so besucht. Da war eine Surfgruppe/-schule mit lauter, so schätzungsweise, 12 Jahre alten Kindern. Wahnsinn, bei uns lernt man Volleyball oder geht zum Schwimmen, hier rennst du dreimal pro Woche mit einem Surfbrett ins Meer.


Mittwoch haben wir einen Natur-Erholungstag eingelegt und zwar in den Blue Mountains. Sehr schön, sehr viele Bäume und verdammt tolle Aussichten. Die Blue Mountains heißen so, weil die Eukalypthus-Bäume einen Dunst absondern, der von Weitem bläulich schimmert (wieder was gelernt). Im unteren Bild seht iht die Three Sisters. Die wurden von ihrem Vater einst in Stein verwandelt und das, weil sie sich mit dem bösen anderen Geschlecht eingelassen hatten oder wollten. Wir waren uns nämlich nicht einig, ob der liebende Vater diese Verwandlung zu ihrem Schutze oder als Bestrafung einsetzte - was der Grund auch war, es geht doch nichts über Vaterliebe.






Mitten auf einem unserer Märsche hingen dann plötzlich Lianen ähnliche Zweige im Weg, die gleichzeitig eine prächtige Schaukel abgaben... Es war natürlich nicht so dunkel, wie es auf dem Bild aussieht, aber um ohne Blitz zu fotografieren war es zu dunkel und mit Blitz brachte dieses Ergebnis.





Hier seht ihr die Katoomba Falls.







Zum Schluss sind wir noch mit einer Railway den Berg in einem 53 Grad Gefälle rauf gebrettert. Da das Ganze so schnell ging, kann ich leider nur mit den Schienen dienen.



Donnerstag war wieder Sydney angesagt. Zunächst sind wir auf Paddy's Market spazieren gegangen und ich habe mir jetzt endlich einen ultracoolen Westernhut gekauft, den ich wahrscheinlich nie tragen werde, der aber einfach mit musste. Danach ging es mit einer Schwebebahn eine Runde durch Sydney von "oben" (naja, so 10 Meter hoch). Dann sind wir auf den Sydneyer Fernsehturm gestiegen, tolle Aussicht, aber da endlich der Regen angefangen hat auch sehr diesig. Nachdem wir einer Digeridoo Show gelauscht hatten, ging es mit der Fähre los. Ziel sollte das Olympia Stadion sein, aber da nun endgültig die Sinnflut vor der Tür stand, fiel das flach und wir sind einfach zwei Stunden eine runde Fähre gefahren, war ja eh umsonst.



Als wir mit der Fähre wieder in Syndey einliefen hatte es sich kurzzeitig etwas aufgeklärt.



Auf dem Nachhauseweg hat sich dann noch ein "Typisch-Eva-Fall" ereignet. Beim Rausgehen aus der U-Bahn wurde ich glatt um meine Fahrkarte betrogen. Das war ein Akt. Wenn man aus der Station raus will, muss man am Ende durch ein Drehkreuz, indem man seine Karte in einen Schlitz steckt und sie dann oben, am anderen Ende, wieder rauskommt. In dem Moment, wo man die Karte rausnimmt, öffnet sich automatisch die Schranke. Vor mir war ein Typ, er steckt seine Karte rein, ich meine hinterher, zu schnell, wie sich herausstellen sollte. Seine (eigentlich meine, wie sich dann klärte) Karte kam raus, er nimmt sie und verschwindet. Ich steh da und warte auf meine, damit ich durch kann. Joa, keine Karte, keine Freiheit. Ich bin noch ganz relaxt zu einem Aufseher hin, da ich dachte, der Automat muss sie verschluckt haben. Ein Mann namens Warren (bis jetzt der Held meines Urlaubs) war die Ruhe selbst (und sooo nett), hat den Automaten aufgemacht und die Karten durchsucht (wie sich herausstellte, werden abgelaufene Karten nämlich gleich einbehalten, so auch bei dem Typen vor mir, der sich natürlich sehr über den Freifahrschein gefreut haben muss). Lange rede kurzer Sinn, die Karte war weg, er konnte nichts machen, sein Chef (noch nicht der Hauptchef) wollte nicht und Warren gab mir seine Visitenkarte und meinte, ich solle am nächsten Morgen mal den Chef fragen.


Was soll ich sagen, am nächsten Morgen (ich hab echt nicht damit gerechnet) haben zwei grinsende Bahnaufseher mir eine neue Karte ausgestellt. Herrlich, da war die Welt wieder in Ordung. Den Tag habe ich dann mit Jule alleine verbracht, da Ilka schon wieder weg war (letzte Prüfung) und Claudia solo dem Stadtführer folgte. Wir haben eine Altstadttour gemacht und sind ins Sydney Museum gegangen.





Hier seht ihr das letzte Cast Iron Urinal in Sydney, ja da wird Geschichte geschrieben, in Sydney.



Am Nachmittag haben wir dem Dalai Lama gelauscht. Der ist nämlich gerade in Australien unterwegs und am Freitag eben in Sydney. Leider hat es ordentlich geregnet und der Spaß war nicht überdacht, deshalb haben wir nicht so lange durchgehalten (ne halbe Stunde), war aber schon toll, den 14. Dalai Lama mal live zu sehen - "Peace through inner peace" war das Motto.




Am Nachmittag haben wir einen Wildlife Zoo (überdacht) mitten in Sydney besucht. War nicht sooo der Bringer, aber der absolute Oberhammer, für den sich der ganze Besuch schon gelohnt hatte, war ein Koala Junges. Koalas wie auch Kängerus sind Tiere, die man einfach live gesehen haben muss, um sie wirklich vollkommen "gesehen" zu haben, wie ich finde. Und obwohl Kängurus unglaublich süß sind, gewinnen für mich Koalas um eine Nasenlänge. Als dann das Junge, dass festgeklammert an Mama fleißig Eukalypthusblätter gemampft hat, auftauchte, war ich den Tränen nahe, so niedlich war das.
Am Freitag Abend um 8:40 Uhr ging unser Zug zurück nach Melbourne. Heute Morgen um 8:00 Uhr waren wir wieder da. Ich hab dann auch prompt meine Gürteltasche mit einfach allem (inklusive Reisepass) im Zug liegen lassen (ich weiß echt nicht, was mit mir zur Zeit los ist). Ich bin panisch zurückgerannt und da hielt ein Zugbegleiter sie schon in der Hand, ich weiß nicht, was ich gemacht hätte, wenn die weg gewesen wäre.
Jetzt heißt es gleich schlafen gehen, denn morgen laufe ich beim großen "Run to the G" mit, einem - je nach dem, für was man sich entscheidet - in meinem Fall 5km Charity-Lauf durch Melbourne. Was für eine Abschied. Am Montag früh fliege ich dann bis Freitag zum Ayers Rock oder Uluru. Dann verbringe ich meine letzten vier Tage in Melbourne bevor es auf zur großen Tour die Ostküste entlang geht - man darf gespannt sein...

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

hey. ja, sydney ist ein juwel,
sehe ich auch so. :-) da kann man auch gut mal so eine paar jahre leben!
dass mit der seekrankheit kann ich ja vollkommen nachvollziehen, mich hat's auch so dermaßen augeknockt, dass gar nichts mehr ging.

liebe grüße, wann geht die große reise los?!
mirjam

Anonym hat gesagt…

Hey Du,
da kommt ja gleich wieder Sehnsucht auf, gerade die Traumstadt Sydney... Schon schön wieder die Bilder zu sehen, würde am liebsten wieder in den Flieger steigen und los... Ja King Cross (Rotlichtviertel) ist schon etwas mulmig und die Backpackers von guter bis gar nicht zu erwähnender Qualität... Liebe Grüsse vom Deich